DHZ. Internet: Der direkte Weg zum Kunden

Erschienen in Deutsche Handwerks Zeitung vom 8. Mai 1998

Internet: Der direkte Weg zum Kunden (1)
Das Online-Geschäft lockt

Als virtuellen Laufsteg nutzt der Schneider Matthias Aull das Internet.
Millionen potentielle Kunden mit einer einzigen Aktion zu erreichen – das ist verlockend. Kein Wunder, daß Unternehmen mit Vehemenz ins Internet stürmen. Zunehmend sind dort auch Handwerksbetriebe mit ihrem Angebot vertreten. Bis auf Ausnahmen wird das große Geschäft hier noch nicht online gemacht. Aber der Weg dorthin ist offen.

Matthias Aull, gelernter Schneider und Bekleidungstechniker aus Frammersbach in Unterfranken, nutzt das Internet als virtuellen Laufsteg. Unter den Online-Adressen http://www.massanzug.de und http://www.aull.de wirbt er für seine Maßkonfektionsanzüge. Mittlerweile präsentiert Aull sich und seine Kollektion auf rund 60 Seiten: Er berät über Stil, Farben, Stoffe, informiert über Modetrends und gibt Tips. Die elektronische Präsenz ergänzt die persönliche Kundenbetreuung, verdrängt sie aber nicht: Bestellt wird elektronisch, maßgenommen wird zu Hause beim Kunden. Der große Vorteil des Mediums: Stammkunden, die Aull bereits „vermessen“ und deren Figur sich gehalten hat, können sich zu jeder Tages- und Nachtzeit im Internet die neuen Trends ansehen und per Knopfdruck den neuen Maßkonfektionsanzug, das sommerliche Jackett oder die neue Hose bestellen.

20 Prozent Umsatzanteil

Im Juni 1996 bot Matthias Aull erstmals Maßkonfektionsanzüge im Internet an. Damals eine Pioniertat. Heute rechnet sich dieser Vertriebsweg bereits: Im abgelaufenen Jahr erzielte der Frammersbacher Unternehmer ein Fünftel seines Umsatzes aus Bestellungen via Internet. Neue Kunden erhielt Aull bislang über die klassischen Werbemethoden, wie Anzeigen oder Mailings, und durch Empfehlungen. Jetzt sorgt das Internet für einen zusätzlichen Kundenkreis. Matthias Aull dazu: „Als ich vor zwei Jahren die Idee für den Internet-Auftritt entwickelte, kam das eher aus meiner persönlichen Begeisterung für neue Medien und weil es meiner Philosophie vom Home-Service entspricht. Daß sich das auch geschäftlich auszahlt, hatte ich so schnell nicht erwartet.“ In den ersten zwei Monaten notierte er ungefähr 2000 Abrufe, mehr tat sich nicht. Mittlerweile – nach zwei Jahren Internet-Präsenz – hat sich das Engagement in das neue Medium mehr als gelohnt. Aull: „Nach einem langsamen Start hat es auf einmal gekracht. Meine Investition hat sich innerhalb des vergangenen Jahres voll amortisiert und ich denke, das ist erst der Anfang.“
Der zweite Teil dieses Beitrages folgt in der nächsten Ausgabe der DHZ.


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