MAIN-NETZ Per Internet zum passenden Anzug

Erschienen im MAIN NETZ 09.2010

Kleider machen Leute. Dirk Kraus aus Zürich (rechts) schätzt die Maßanzüge von Matthais Aull, die der Frammersbacher bundesweit im exclusiven Home-Service liefert. Aull fährt zum Maßnehmen zu Kunden nach Hause oder zu Managern ins Büro und liefert den fertigen Anzug selbst aus. Foto: Horst Born

Bekleidung: Matthias Aull aus Frammersbach fährt zu Kunden und nimmt Maß bei Managern – Nun auch für Frauen der Wirtschaftswelt Frammersbach »Kleider machen Leute, besonders in der Geschäftswelt«, sagt Matthias Aull. Der 50-jährige Schneider aus Frammersbach sorgt seit 18 Jahren für maßgeschneiderte Herren-Garderobe. Der vierfache Vater lässt Anzüge fertigen auf Basis individuellem Maßnehmens im Heim-Service. Rund 80 000 Kilometer fährt er im Jahr, um seine Kunden, vielfach Manager der deutschen Wirtschaft, zu vermessen. Seit 1992 liefert er nach seinen Angaben Maßanzüge. Einen Laden im ursprünglichen Sinn gibt es nicht. Die Plattform ist das Internet. Das Schneiderhandwerk hat Matthias Aull von klein auf gelernt. Zwei wesentliche Kriterien machen nach Aulls Worten die Wirkung eines Maßanzugs aus: das professionelle und individuelle Maßnehmen und die typgerechte Stoffauswahl. »Dinge die jeder perfekte Anzug vermitteln sollte: Er muss Männlichkeit und gleichzeitig Grazie ausstrahlen. Er muss anmutig sein, nicht einengend oder übertrieben wirken. Und den Charakter des Mannes ausdrücken, der ihn trägt«, sagt Aull. Ein gut geschnittener Anzug in einer mittleren Tuchqualität sei daher einem schlecht geschnittenen in einer besseren Stoffqualität immer vorzuziehen. Matthias Aull hat auch Stammkundschaft in seinem Heimatort Frammersbach und in der näheren Umgebung. So schätzt zum Beispiel der Franzose Roger Princelle aus Flörsbachtal die Individualität eines maßgeschneiderten Anzuges: »Das unterstreicht meine Persönlichkeit.« Außerdem stimme das Preis-Leistungs-Verhältnis, betont der Bankkaufmann im Ruhestand. Was dem 59-jährigen Franzosen noch gefällt: Aull habe auch die entsprechenden Accessoires, wie das maßgeschneiderte Hemd dazu oder neuerdings auch maßgefertigte Schuhe, ebenso Gürtel und Manschettenköpfe. Als guten Schnitt bezeichnet Aull das Grundmuster, das allen Moden und Trends trotzend seit den 1930er Jahren immer wieder verwendet wird: klassisch nach englischem Vorbild, aus bestmöglichem Tuch, die Anzugjacke lang und auf den Körper geschnitten, mit flachen, allenfalls leicht gepolsterten Schultern. Das Anmessen erfordert viel Erfahrung. Wer dabei Fehler mache oder sich mit Schablonen behelfe, sollte es besser sein lassen: »Wenn ich Maß nehme, beobachte ich immer auch die typischen Bewegungen meines Kunden, berücksichtige seine Dynamik und seine Persönlichkeit.« Ähnlich sei es bei der Stoffauswahl: Der Stoff müsse zum Hauttyp des Trägers passen und auch nach drei und mehr Jahren noch tragbar, also klassisch und nicht zu modisch sein. Aull besucht Kunden nach Terminabsprache zuhause oder im Büro. Dort nehmen sich beide die Zeit, die für die Vermaßung und die sorgfältige Stoffauswahl notwendig ist. Wenn der Anzug nach etwa drei bis vier Wochen produziert ist, übernimmt Aull die Abnahme: Knöpfe und Nähte werden überprüft, zugenähte Taschen aufgetrennt, überflüssige Fäden entfernt. Dann fährt er mit dem fertigen Stück zum Kunden. »Anprobe, Bewegungsprobe, eventuell noch das eine oder andere Accessoire – und fertig. »Wenn etwas doch nicht passen sollte: Ich nehme das gute Stück sofort wieder mit zum kostenlosen Nachbessern.« Neuerdings bietet Aull auch Business-Kleidung nach Maß für Damen an. Frauen haben laut Aull bezüglich Stil, Tragekomfort und Stoffe ganz andere Ansprüche als Herren. Zudem sei die Business-Mode für Damen variantenreicher, und eine gute Passform stelle höhere Ansprüche beim Maßnehmen und der Verarbeitung. In Tschechien hat er einen Partner gefunden, der in der Tradition des klassischen Schneiderhandwerks im Herbst 2009 ein erstes Probestück nach Maß im Auftrag für Aull gefertigt hat. Die Kundin sei hoch zufrieden gewesen, Matthias Aull dann auch. Das war der Start des Damenprogramms. Inzwischen orderten immer mehr Frauen. Die meisten Bestellungen, ob von Herren oder Damen, erfolgen über das Internet. Horst Born Quelle: http://www.main-netz.de/nachrichten/region/lohr/lohr/art3993,1330155


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